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30.07.2018
Nachhaltigkeit: Die Kommission drückt auf das Gaspedal - die Finanzbranche im Fokus

Nachhaltigkeit steht derzeit bei europäischen Regelsetzern im Finanzbereich ganz oben auf der Liste neuer politischer Vorstösse und gesetzgeberischer Massnahmen. Es gilt für die Politik Mittel und Wege zur besseren Erfüllung der Klimaziele sowie anderer Nachhaltigkeitsanforderungen aufzutun und die Finanzindustrie wurde als zentraler Sparingpartner in diesen Bemühungen identifiziert. Diese wird sich mit konkreten neuen Vorgaben z.B. beim Portfoliomanagement oder im Rahmen von Beratung und Transparenz auseinandersetzen müssen. Im März dieses Jahres wurde der umfassende «Aktionsplan» der Europäischen Kommission veröffentlicht. Dessen Titel lautet „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“. Er enthält Vorschläge für 10 Massnahmen, welche nach und nach durch entsprechende EU-Richtlinien oder Verordnungsentwürfe eine konkrete gesetzliche Umsetzung erfahren. Wörtlich heisst es «The financial system has a key role to play here».

Wenige Wochen später, am 23. Mai 2018, hat die EU Kommission in Umsetzung des Aktionsplans schon die ersten konkreten Vorschläge für neue EU-Rahmenwerke veröffentlicht, das sogenannte „Sustainable Finance Package“. Die vier hierzu gehörenden EU-Verordnungen adressieren folgende Aspekte und Zielsetzungen im Sinne des Aktionsplans:

Einführung eines einheitlichen EU Klassifizierungssystems («Taxonomie») nachhaltiger ökonomischer Tätigkeiten – kurz „Taxonomy/EU Classification Proposal“: Für Zwecke der einheitlichen Nachhaltigkeitseinschätzungen führt der Vorschlag ein System von Nachhaltigkeitszielen sowie Kriterien für deren Einhaltung ein. 
Verbesserung der Offenlegungsvorschriften dazu, wie institutionelle Investoren ESG (Economic, Social & Governance) Kriterien in ihre Risikoprozesse einbeziehen - kurz „Investor duty / disclosures proposal“. Konkret ist der Vorschlag auf „Manager“ von UCITS und AIF sowie unter anderem auf MiFID II unterstehende Vermögensverwalter anwendbar. Neu sollen seitens der «Manager» von UCITS und AIF sowie von Vermögensverwaltern auf deren Webseite Richtlinien zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken im Anlage-Entscheidungsprozess veröffentlicht werden. 
Einführung einer Kategorie von Benchmarks, welche Anlegern helfen, den «carbon footprint» ihrer Anlagen zu vergleichen – kurz «Low-carbon benchmarks proposal». Neu soll die bestehende «Benchmark Verordnung» 2016/1011 dahingehend abgeändert werden, dass z.B. eine «low-carbon benchmark» sowie eine «positive carbon impact benchmark» eingeführt werden, welche für geringe bzw. «negative» Kohlendioxid-Ausstösse stehen. 
Zusätzlich zu diesen drei Verordnungen schlägt die Kommission eine Verordnung zur Abänderung der Delegierten Verordnung 2017/565 zur MiFID II vor, um Nachhaltigkeitsaspekte in die im Rahmen der Beratung bzw. des Produkteverkaufs vorgeschriebenen Eignungsprüfung zu integrieren – sog. «MiFID II suitability requirements».

Insbesondere der letzte Vorschlag verursacht der Branche noch Sorgen bzw. führt zu kritischen Stellungnahmen, denn es ist unklar, wie am “Point of Sale” sinnvoll Nachhaltigkeitsaspekte umgesetzt werden sollen, wenn eine Taxonomie für deren Messung noch nicht besteht. Es wird daher vorgebracht, dass die MiFID II-Anpassung zum jetzigen Zeitpunkt – vor Finalisierung der entsprechenden “Taxonomie” - noch nicht angebracht ist.

Eines wird aber ganz deutlich, Nachhaltigkeit wird in naher Zukunft nicht mehr ein freiwilliges Thema, ein «nice to have» oder ein Marketinginstrument sein, es wird Pflicht und Mainstream. Das kommt dem im Bereich Nachhaltigkeit gut aufgestellten Fondsplatz Liechtenstein sehr entgegen. Siehe dazu die bereits 2016 erschienene Broschüre «Nachhaltigkeit in Liechtenstein - ESG-Analyse der liechtensteinischen Aktienfonds».


Annette von Osten
Director Regulatory Affairs
LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband