Verwaltungsgesellschaft
Anlageschwerpunkt
Bewertungsintervall
Performance
Währung
Anlageregion
Gesetzlicher Fondstyp
Investmentgesellschaft
TER
Rechtsform
Vertriebsland
Verwahrstelle
30.07.2018
Fonds kreativ eingesetzt: Unternehmensübernahmen bzw. Verhinderung feindlicher Übernahmen mittels Fonds

Ein Alternativer Investment Fonds (AIF) ist in der entsprechenden europäischen Richtlinie (2011/61/EU) und deren Umsetzung in nationales Gesetz (Art.4 Ziffer 1a) AIFMG) sehr breit definiert: Ein AIF ist demzufolge jeder „…Organismus für gemeinsame Anlagen einschliesslich seiner Teilfonds, der von einer Anzahl von Anlegern Kapital einsammelt, um es gemäss einer festgelegten Anlagestrategie zum Nutzen dieser Anleger zu investieren.” Die festgelegte Anlagestrategie wird wiederum von der entsprechenden Verwaltungsgesellschaft des Fonds bzw. dessen Portfoliomanager entwickelt und umgesetzt. In der breiten Bevölkerung sind vor allem die klassischen Strategien im Bereich von Aktien- und Anleihenfonds bekannt, welche üblicherweise eine breite Diversifikation sowohl auf Anleger - als auch auf Investitionsebene aufweisen und im Regelfall als UCITS-Fonds gegründet werden. Neben diesen Retailfonds gibt es jedoch eine grosse Zahl anderer potenzieller Vermögenswerte, die von Fonds in der Ausgestaltung eines AIF gehalten werden können (Private equity/debt; Edelmetalle und Edel-steine, Kunst, u.a.m.). Auch die Nutzungsmöglichkeiten eines Fonds sind breit gestreut, Ziele können sein: private Steuer- und Vermögensstrukturierung; Nachlassplanungsinstrument; Asset Protection; Verbriefung und Teilbarkeit illiquider Vermögenswerte und anderes mehr.

Über Fonds ist es möglich, sich effizient an Unternehmen zu beteiligen, dies durch unterschiedlichste Arten der Investition (Eigenkapital, Fremdkapital, Mischformen). Fonds stellen auch – bereits durch ihre Legaldefinition – ein ausgezeichnetes Vehikel dar, um Interessen zu bündeln und die Finanzkraft mehrerer Kapitalgeber zu kanalisieren und zielgerichtet einzusetzen. Die Verwaltung des Fonds kann bei ausreichender Kapitalstärke aktiv Einfluss auf das Zielunternehmen nehmen, beispielsweise qualifizierte Vertreter in den Verwaltungsrat entsenden und auf die Unternehmensstrategie Einfluss nehmen. Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Möglichkeit, dass über Fonds auch Übernahmen im Unternehmensbereich lanciert werden können. Die Kapitalgeber bleiben hierbei im Hintergrund und werden durch qualifizierte Verhandlungsteams der Fondsgesellschaft und/oder Dritte vertreten. Im Bereich börsengelisteter Unternehmen ergibt sich der angenehme Nebeneffekt, dass nicht die eigentlichen Kapitalgeber (Fondsinvestoren) sondern der Fonds selbst als Aktionär erscheint. Sobald meldepflichtige Beteiligungsgrenzen überschritten werden, wird der entsprechende Fonds als neuer Kernaktionär der Öffentlichkeit bekannt gemacht. 

Zu einem späteren Zeitpunkt könnte der Fonds die von ihm gehaltenen Unternehmensanteile mittels Sachauslieferung an seine Anleger auskehren und somit nachhaltig eine neue Aktionärsstruktur prägen.

Interessant sind jedoch nicht nur aktive Beteiligungen und Übernahmen, sondern auch der kluge Einsatz von Fonds zum möglichen Schutz gegen feindliche Übernahmen. Man stelle sich folgende Situation vor: Ein Unternehmen besteht aus mehreren ertragsstarken Tochterunternehmen bzw. rechtlich eigenständigen Organisationseinheiten. Das Management sitzt fest im Sattel, es werden jedoch immer wieder Bedenken laut, dass ein feindlich gesinnter Investor eine Übernahme plant und das Unternehmen in seine profitablen Einheiten zerschlägt, Arbeitsplätze ver-lagert und altgediente erfolgreiche Strukturen radikal ändert. Wie kann das Management des Unternehmens dies äusserst elegant abwenden und für die Mitarbeiter allenfalls die Standort- und Jobsicherheit erhöhen? Denkbar wäre, dass das Unternehmen einen AIF mit fester Laufzeit errichtet und seine wertvollsten bzw. schützenswertesten Einheiten in diesen Fonds einbringt. Das Unternehmen würde in der Folge die stimmrechtslosen Fondsanteile auf sich vereinigen und hätte keine Möglichkeit zur vorzeitigen Rückgabe der Anteile (freiwilliger lock-in). Über den Fonds als passiven Investor würden die gewünschten Einheiten weiterhin ungestört agieren. Dividenden könn-ten über den Fonds an das frühere Mutterunternehmen fliessen. Allenfalls liessen sich sogar steuerliche Vorteile für die gesamte Gruppe herausarbeiten. Die feindlich gesinnten Interessenten könnten in diesem Fall zwar immer noch die Stammaktien des Mutterhauses übernehmen, was jedoch in Anbetracht der Tatsache, dass die firmeneigenen «Kronjuwelen» in einer unantastbaren Substruktur, nämlich dem regulierten AIF, stecken, als äusserst unwahrscheinlich anzusehen ist.

Man sieht, Fonds sind – eine gewisse Kreativität vorausgesetzt – in der Lage zahlreiche Ziele von Fonds-Initiatoren zu verwirklichen. Der Fondsplatz Liechtenstein mit seinen erfahrenen Akteuren ist hierfür die richtige Adresse.


MMMag. Franz Glatzl
CEO
BENDURA FUND MANAGEMENT ALPHA AG