Verwaltungsgesellschaft
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Gesetzlicher Fondstyp
Investmentgesellschaft
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Vertriebsland
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29.10.2018
Nachhaltigkeit und Liechtensteinische Fonds

"A company’s only social responsibility is to use its resources and engage in activities designed to increase its profits so long as it stays within the rules of the game (…)"1. So definierte der Nobelpreisträger Milton Friedman die soziale Verantwortung des Unternehmens. In den letzten Jahrzehnten lässt sich weltweit eine Verschiebung vom Shareholder- zum Stakeholder-Value-Ansatz beobachten, welche unter dem Begriff der Corporate Social Responsability (CSR) bzw. der Unternehmensverantwortung bekannt geworden ist. Noch im Jahre 2001 definierte die Europäische Kommission die soziale Verantwortung der Unternehmen als "ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit (…) zu integrieren"2. In die EU Strategie 2011-14 für die soziale Verantwortung von Unternehmen fand dagegen bereits eine überarbeitete Definition der Unternehmens-
verantwortung Eingang, nämlich die CSR als "die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft". In ihrer Mitteilung vom 22.11.2016 betonte die Kommission, die EU sei "einer Entwicklung verpflichtet, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können"3. Von höchster Relevanz soll dabei die Verwirklichung eines nachhaltigen Finanzwesens sein, was u.a. in der neuen Fassung der Pensionskassenrichtlinie, sog. EbAV-II-Richtlinie, zum Ausdruck kommt. Ökologische, soziale und Governance-Faktoren nach Massgabe der von den Vereinten Nationen unterstützten Grundsätze für verantwortungsbewusstes Investment sind von grosser Bedeutung für die Anlagepolitik und die Risikomanagement-
systeme der EbAV. Diese sollen inskünftig offenlegen müssen, inwieweit die ESG Faktoren bei Anlageentscheidungen und in ihrem Risikomanagementsystem berücksichtigt werden. Die Richtlinie dürfte zu einer verstärkten Nachfrage nach nachhaltigen Anlagen führen.
 
Nachhaltiges Investieren verfolgt das Ziel, eine doppelte Rendite zu erzielen, nämlich einerseits die ökonomische Rendite, andererseits eine positive Auswirkung auf die Gesellschaft. Wohltätige Zwecke werden nicht mehr "nur" im Rahmen des Engagements der Banken über ihre eigenen gemeinnützigen Stiftungen verfolgt, sondern bei den Kerngeschäftsentscheiden berücksichtigt. Zur Beurteilung der einzelnen Anlagen werden sog. ESG Kriterien herangezogen - Environment, Social, Governance. Basierend auf zahlreichen internationalen Normen4 werden Ausschlusskriterien für sog. "schwerste Kontroversen" festgelegt. Auf der operationellen Ebene werden Nachhaltigkeitsanalysen und Ratings von externen Anbietern wie MSCI ESG Research oder interne Empfehlungslisten in die Investmentprozesse zahlreicher Asset Manager integriert. Investiert wird - für ESG bewusste Kunden - nur in Unternehmen oder Fonds mit einem hohen ESG-Rating.

Liechtenstein hat die Bedeutung der Nachhaltigkeit frühzeitig erkannt. Neben den zahlreichen Initiativen der Universität Liechtenstein wie bspw. dem Liechtenstein Kongress für nachhaltige Entwicklung und verantwortungsvolles Investieren5, der LIFE Klimastiftung Liechtenstein oder der Vereinigung liechtensteinischer gemeinnütziger Stiftungen e.V. unterstützen auch Liechtensteiner Banken, Verwaltungsgesellschaften und andere in Liechtenstein ansässige Akteure die Idee der nachhaltigen Anlagen. Bereits seit 2011 bildet Nachhaltigkeit neben Qualität und Stabilität einen der drei strategischen Eckpfeiler der Roadmap des Liechtensteiner Bankenverbands und ist für die strategische Ausrichtung des Finanzplatzes von grösster Bedeutung. Auch in der Fondsindustrie ist die Thematik ständig präsent. 2016 wurden die liechtensteinischen Aktienfonds zum ersten Mal auf ihre Nachhaltigkeit geprüft. Der Studie kann entnommen werden, dass in zahlreichen Fonds auf mustergültige Art und Weise nachhaltig investiert wird6. Dazu kommen viele AIFs mit nachhaltigen Anlagestrategien7 . Zusätzlich zum breiten Angebot an nachhaltigen Produkten machen Liechtensteiner Finanzinstitute in ihren Geschäftsberichten detaillierte Angaben zur CSR und verstehen diese als einen Bestandteil ihres Geschäftserfolges8

International lässt sich ein gestiegenes Nachhaltigkeitsbewusstsein von vermögenden und institutionellen Kunden beobachten. Teilweise basierend auf ihren eigenen Vorstellungen von Unternehmensverantwortung resp. auf den Vorstellungen ihrer Endkunden, welche sogenannte nachhaltige Vermögensverwaltungsmandate erteilen, teilweise von dem Wunsch geleitet, Reputationsrisiken zu vermeiden, entscheiden sich institutionelle Investoren immer häufiger für ESG-geprüfte Anlagen. Diese Kunden finden in der liechtensteinischen Fondswelt beste Anlagemöglichkeiten. Auch Fondspromotoren, die neue Fonds mit nachhaltigen Investments lancieren wollen, bietet Liechtenstein seit Jahren beste Bedingungen an. Als Vertragsstaat des EWR Abkommens setzt Liechtenstein EU Vorgaben zur CSR und zur Nachhaltigkeit um und stellt auf diese Art und Weise sicher, dass umwelt- und sozialbewussten Anlegern Informationen zu nichtfinanziellen Aspekten der Unternehmenstätigkeit zugänglich gemacht werden9. Im Unterschied zu anderen Finanzplätzen bietet Liechtenstein eine einzigartige Umgebung mit einerseits Finanzinstituten, Zertifizierungsanbietern und Wirtschaftsprüfern, welche über umfassendes Know-how im Bereich der nachhaltigen Investments verfügen und andererseits mit fast 1'500 gemeinnützigen Stiftungen. Dazu kommen die "Standardvorteile" des Fondsstandorts Liechtenstein.



1 M. Friedman, The New York Times Magazine vom 13.09.1970
2 KOM (2001) 366 endgültig)
3 COM (2016) 739 final
4 Wie der UN Global Compact, die UN Menschenrechtsdeklaration, die UN Klima-schutz  konvention oder Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation
5 Vgl. https://www.uni.li/de/universitaet/medienportal/medienmitteilungen/vaduz-  wird-zum-davos-der-nachhaltigkeit6 Richtlinie 2009/65/EU, UCITS)
6 Bsp.: Abalone Dynamic Trend Allocation Fund, ASPOMA Japan Opportunities Fund, Classic Global Equity Fund, Quantex Global Value Fund oder LLB Aktien Europa.
7 Wie bspw. die EMF Microfinance Fund AGmvK der Enabling Microfinance AG 8 Richtlinie 2009/65/EU, UCITS)
8 Vgl. Jahresbericht der LLB
9 Vgl. CSR Richtlinie

 

Mag. Anna Bartlomiejczyk MLaw LL.M.
Private Labelling, Prokuristin
LLB Fund Services AG