Verwaltungsgesellschaft
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Gesetzlicher Fondstyp
Investmentgesellschaft
TER
Rechtsform
Vertriebsland
Verwahrstelle
29.04.2019
Portfoliomanagement eines AIF – Wer darf eigentlich „managen“?

Rechtliche Primärgrundlage jedes europäischen Alternativen Investment Fonds (AIF) ist die jeweilige nationale Umsetzung der einschlägigen europäischen Richtlinie (2011/61/EU). In Liechtenstein ist dies das AIFM-Gesetz (AIFMG) und die dazugehörige AIFM-Verordnung (AIFMV). Aus rechtlicher und organisatorischer Sicht richtet sich die Ausgestaltung jedes in Liechtenstein gegründeten AIF demzufolge nach den Vorgaben des AIFMG und der AIFMV. Zusätzlich sind direkt anwendbare europäische Verordnungen, z.B. die Delegierte Verordnung Nr. 231/2013 der Europäischen Kommission („Level II-Verordnung“), einzuhalten. Abschliessend sind auch noch die über die Zeitachse anwachsenden Wegleitungen/FAQs der Aufsichtsbehörden zu nennen, welche wertvolle Hilfe- und Klarstellungen beinhalten. Diejenigen der FMA Liechtenstein befinden sich hier.

Es ist mittlerweile weitestgehend bekannt, dass ein AIF praktisch jede denkbare Veranlagungsstrategie (Private equity/debt; Edelmetalle und -steine, Kunst, u.a.m.) abbilden und auch Sekundärzwecke (private Vermögensstrukturierung; Steuer- und Nachlassplanungsinstrument; Asset Protection; Verbriefung und Teilbarkeit illiquider Vermögenswerte und anderes mehr.) erfüllen kann  Für viele Initiatoren ist eine andere Frage jedoch von fast noch zentralerer Bedeutung und immer noch unklar: „Wer darf denn eigentlich das Portfoliomanagement im Wege der Delegation vom AIFM übernehmen und den AIF diesbezüglich „managen“, sprich die Anlageentscheidungen des AIF treffen und diese der Verwahrstelle zur Umsetzung kommunizieren?“

Diese zentrale Frage muss anhand mehrerer Abstufungen wie folgt beantwortet werden:

Erstens dürfen AIFM mit Sitz im EWR (d.h. AIFM mit z.B. Sitz in Deutschland) einen AIF mit Sitz in Liechtenstein verwalten. Das ergibt sich bereits aus dem so genannten europäischen Gesellschaftspass der AIFM. 
 
Zweitens dürfen AIFM mit Sitz in bestimmten Jurisdiktionen ausserhalb des EWR (d.h. gleichwertige Lizenzträger, also nationale Fondsgesellschaften) ebenfalls einen AIF mit Sitz in Liechtenstein verwalten. Die Liste findet sich hier
Voraussetzung ist, dass 
- ein Memorandum of Understanding (MoU) zwischen den beiden Aufsichtsbehörden unterzeichnet wurde, 
- diese Staaten gleichzeitig nicht auf der FATF-Liste nicht-kooperierender Staaten stehen (siehe hier) und
- ein Abkommen im Sinne des OECD-Musterabkommen zur Vermeidung von Doppelbesteuerung Art. 26 (Details hier /       die Abkommen Liechtensteins finden sich hier) geschlossen wurde.

Drittens ist es möglich, Drittparteien mit Sitz in und ausserhalb des EWR mit dem Portfoliomanagement eines AIF zu betrauen soweit 
- die allgemeinen Voraussetzungen des Art. 46 Abs.1 AIFMG erfüllt sind,
-  diese Drittparteien zusätzlich „für die Vermögensverwaltung zugelassen und beaufsichtigt“ sind und
- (bei Sitz ausserhalb des EWR) wiederum ein MoU zwischen den beiden Aufsichtsbehörden unterzeichnet wurde (eine       Liste der MoUs findet sich hier).

Viertens ist es möglich, dass eine Einzelfallbeurteilung durch die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) vorgenommen wird, welche gemäss Art. 46 Abs. 2 a) selbst bei nicht-beaufsichtigten Parteien möglich ist.

Die ersten beiden Punkte betreffen die vollumfängliche Betreuung eines AIF als AIFM, die letzten beiden Punkte jedoch nur die Teildelegation des Portfoliomanagements.

Festzuhalten bleibt, dass Liechtenstein in den letzten Jahren zahlreiche MoUs mit anderen Aufsichtsbehörden abgeschlossen hat und zudem die multilateralen Abkommen im Bereich der Steuerkooperation (AIA) mit der EU und zahlreichen Drittstaaten unterzeichnete. Soweit der gewünschte Delegationsnehmer also entsprechend qualifiziert, lizensiert und beaufsichtigt ist, stehen zahlreiche Möglichkeiten einer effektiven Aufgabenübertragung im Bereich des Portfoliomanagements für einen AIF offen.

 

MMMag. Franz Glatzl
CEO
BENDURA FUND MANAGEMENT ALPHA AG