Verwaltungsgesellschaft
Anlageschwerpunkt
Bewertungsintervall
Performance
Währung
Anlageregion
Gesetzlicher Fondstyp
Investmentgesellschaft
TER
Rechtsform
Vertriebsland
Verwahrstelle
29.07.2019
Vorhandene Vermögenswerte – nicht immer Vertrieb als Fondsziel

Der EU Pass für AIF, also die Möglichkeit zur Notifikation von AIF zum Vertrieb im EWR, war zweifellos eine der wichtigsten Errungenschaften des Fondsplatzes der letzten Jahre. In einigen Fällen steht jedoch der Vertrieb weniger im Fokus als die bestmögliche Anlage bereits vorhandenen Vermögens.

Für solche Problemstellungen hält der Fondsplatz Liechtenstein Lösungen bereit, die in der Form in anderen Jurisdiktionen oft nicht zur Verfügung stehen.

Für die meisten Konstellationen eignet sich hier ein AIF oder – in einem abgegrenzten Einsatzbereich – ein Investmentunternehmen nach dem IUG 2015, kurz auch „IU“ genannt. 

Das IU ist speziell für bereits vorhandene Vermögenswerte eines qualifizierten Anlegers oder einer fix definierten Gruppe von qualifizierten Anlegern konzipiert und hat auf jegliches Kapitaleinsammeln bei Dritten zu verzichten. Es kann einige Vorteile der alten liechtensteinischen Fondsgesetze weiterhin für sich nutzen. 

Der AIF hingegen ist im gesamten EWR als Fondsstruktur bekannt und akzeptiert. Er kann – zumindest für professionelle Anleger – problemlos im gesamten EWR zum Vertrieb notifiziert werden. Für den Vertrieb von AIF an Privatanleger gelten national unterschiedliche, in jedem Fall strengere Regeln.

Bereits der AIF ist in Liechtenstein verglichen mit anderen Ländern in sehr kurzer Zeit autorisierbar. Es kann jedoch mit dem für das IU vorgeschriebenen Bescheinigungsverfahren eine Time-to-Market erreicht werden, die noch unter den ohnehin kurzen Fristen des AIFMG liegt: Zur Aufnahme der Geschäftstätigkeit muss ein von der Verwahrstelle unterzeichneter Prospekt und eine Bestätigung des Wirtschaftsprüfers vorliegen. Diese muss besagen, dass der Prospekt den geltenden Bestimmungen entspricht und der Wirtschaftsprüfer das Prüfmandat annimmt. Die FMA bescheinigt lediglich den Erhalt dieser Bestätigung, detailliertere Unterlagen müssen erst im weiteren Verlauf eingereicht werden. Es können damit für einen vordefinierten Nutzerkreis schnell adäquate Lösungen präsentiert werden. 

Auch in einigen anderen Aspekten lässt das IUG 2015 mehr Spielraum als das AIFMG. Das IUG kennt beispielsweise keine gesetzliche Liberierungsfrist, kein gesetzliches Mindestvermögen, und auch sonstige Regeln sind dem qualifizierten Nutzerkreis angemessen.
Diese Freiheiten kommen nicht ohne besondere Herausforderungen: Da es sich bei einem IU um eine liechtensteinische Sonderlösung handelt, muss vor allem bei grenzüberschreitenden Sachverhalten der das gesamte Setup genau analysiert werden um unerwünschte Ergebnisse auszuschliessen. Weiters können nur qualifizierte Investoren in ein IU investieren. Dieses Produkt eignet sich nicht für jedermann. 

Viele wohlhabende Kunden haben bereits Vermögen in Liechtenstein, und Treuhänder sind mit die wichtigsten Geschäftspartner solcher Kunden in Liechtenstein.

Auch bei der Strukturierung von Vermögen über die genannten Lösungen können Treuhändern wesentliche Rollen zukommen:

Mit der notwendigen Vermögensverwaltungslizenz kann der Treuhänder das Asset Management des Fonds als Delegationsnehmer des AIFM übernehmen. Ähnliches gilt für IU.

Weniger bekannt ist, dass der Treuhänder direkt aus den einschlägigen Gesetzen auch für bestimmte Fonds und IU in speziellem Setup als Verwahrstelle fungieren kann:
Bei einem AIF kann ein nach dem Treuhändergesetz zugelassener Treuhänder oder eine zugelassene Treuhandgesellschaft als Verwahrstelle agieren, soweit es sich um einen AIF handelt, der in den ersten fünf Jahren keine Rücknahmen zulässt und nach der Hauptanlagestrategie nicht in verbuchungsfähige Finanzinstrumente investiert. Zudem darf ein solcher AIF keinen Kontrollerwerb über Unternehmen anstreben, die über die Definition von kleinen und Mittleren Unternehmen hinausgehen (Benchmarks sind hier 250 Mitarbeiter, EUR 50 Mio Jahresumsatz) 

Im IUG 2015 ist die Regelung schlanker:
Verwahrstelle kann sein: Ein bzw. eine nach dem Treuhändergesetz zugelassener Treuhänder oder zugelassene Treuhandgesellschaft, soweit es sich um Investmentunternehmen handelt, die grundsätzlich nicht in Finanzinstrumente investieren.

Im Regelfall wird auch für bereits vorhandene Vermögen der AIF die richtige Lösung sein, im Spezialfall kann es lohnend sein, auch den Einsatz von Investmentunternehmen nach IUG 2015 zu prüfen.

Zudem ist beispielsweise denkbar, ein Fondsprojekt als IU zu starten, und nach Erreichen einer gewissen Mindestgrösse bei Aussicht auf Erfolg in einen AIF umzubilden. Bei passendem Portfolio steht auch die Möglichkeit einer Umbildung in einen UCITS und damit die Möglichkeit zum EWR-weiten Vertrieb an Privatanleger zur Verfügung.

In Summe kann geschlossen werden, dass der Fondsplatz Liechtenstein auch für Lösungen, bei welchen der Vertrieb an Dritte (noch) keine oder eine untergeordnete Rolle spielt, die Möglichkeit bietet, schnell und effizient geeignete Produkte aufzulegen. Dies unabhängig vom im konkreten Fall zu wählenden Typus.



Mag. iur. Wolfgang Mildner LL.M.
General Counsel
CAIAC Fund Management AG