Verwaltungsgesellschaft
Anlageschwerpunkt
Bewertungsintervall
Performance
Währung
Anlageregion
Gesetzlicher Fondstyp
Investmentgesellschaft
TER
Rechtsform
Vertriebsland
Verwahrstelle
27.04.2020
Risikomanagement und Nachhaltigkeit

Bei der Vermögensanlage bildet das Abschätzen von Chance und Risiko zwar seit jeher die Grundlage für den Erfolg, je-
doch ist die Komplexität und Bedeutung des Risikomanagements für den Investitionserfolg deutlich gestiegen. Der Blick aus der rein finanzwirtschaftlichen Perspektive reicht dabei oft nicht mehr aus. Wenn es um Finanzanlagen geht, kommt darüber hinaus der Begriff Nachhaltigkeit zunehmend mit ins Spiel. 

Hintergrund
Durch Regulierungsmassnahmen werden Standards definiert. Aus diesem Grund ist es notwendig und ratsam Geschäfts-
modelle möglichst frühzeitig an regulatorische Trends anzupassen. Im Bereich des Risikomanagement und der Nachhal-
tigkeit wird derzeit seitens der EU mittels des Aktionsplanes «Sustainable Finance» geprüft, inwiefern Nachhaltigkeitsüber-
legungen in den finanzpolitischen Rahmen integriert werden können, um Investitionen für ein nachhaltiges Wachstum zu mobilisieren. Nachhaltige Investments umfassen in dieser Verordnung die Bereiche Umwelt (E), Soziales (S) sowie Gover-
nance (G), und zwar sowohl einzeln als auch kombiniert (ESG). Es ist abzusehen, dass diese neuen Regeln Investoren und Vermögensverwalter in naher Zukunft intensiv beschäftigen werden und zudem Investitionen notwendig werden könnten.

Anforderungen
Am 7. März 2019 einigten sich das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten auf die sogenannte Offenlegungs- 
verordnung – ein Regelwerk, das sämtliche Anbieter am Finanzmarkt betrifft.  Hierdurch sollen Informationslücken im Hinblick auf Fragen der Nachhaltigkeit verringert werden. 

Gemäss Verordnung haben Investmentmanager bzw. deren Investmentfonds künftig die Pflicht zu informieren, wie sie Nachhaltigkeitsrisiken in ihrem Anlageprozess berücksichtigen – auch dann, wenn nicht explizit nachhaltigen Strategien verfolgt werden. 

Diese neuen Offenlegungspflichten werden die bestehenden aufsichtsrechtlichen Meldepflichten der Richtlinie über Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren («OGAW») und der Richtlinie über Manager alternativer Invest-
mentfonds («AIFMD») ergänzen. Der EU-Aktionsplan wird Änderungen durch delegierte Rechtsakte an der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente II («MiFID II») und der Richtlinie über den Vertrieb von Versicherungsunternehmen («IDD») erfordern.

Aufgrund der Offenlegungsverordnung müssen Fonds, als Ergänzung zur Bereitstellung zusätzlicher Berichterstattungen, gemäss neu zu definierender Standards aller Voraussicht nach ihre Website, das Verkaufsprospekt und den Jahresbericht anpassen. Darüber hinaus muss auch eine Weisung zur Wahrung der Sorgfaltspflicht im Hinblick auf ESG-Kriterien erar-
beitet werden. 

OGAW und AIFMD
Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) berät derzeit über die Integration von Nachhaltigkeits-
risken und -faktoren in die OGAW Richtlinie und die AIFMD (ESMA34-45-569).
Die hiervon betroffenen Fondsmanager, Versicherungs- und Pensionsfonds ebenfalls eingeschlossen, müssten gemäss diesem Konsultationspapier folgenden Punkten Rechnung tragen:
 
- Nachhaltigkeitsrisiken - d.h. die Risiken von Wertschwankungen einzelner Positionen im Portfolio eines Fonds                    aufgrund von ESG-Faktoren - in ihre Entscheidungsprozesse einbeziehen
- Offenlegen, wie sie ESG-Risiken in Anlageentscheidungen integrieren
- Methoden zur Messung der ESG-Auswirkungen einer Anlage oder eines Produkts offenlegen, ohne dabei alle                    Details der jeweiligen Anlagestrategie transparent darlegen zu müssen.
 
Taxonomie
Um eine entsprechende Vergleichbarkeit zu schaffen, wird eine schrittweise Erarbeitung eines Klassifizierungssystems angestrebt, um dann in der Folge eine vollständige Taxonomie gewährleisten zu können. Auf Basis dieses Klassifizierungssystems werden weitere Gesetzesinitiativen entwickelt. Der EU-Taxonomie kommt also weitreichende Bedeutung für die Finanzbranche zu. 

Fazit
Um sich zukünftig für die aufkommenden Änderungen zu rüsten, wird es unumgänglich sein, Fixkosten zu reduzieren und möglichst unter Berücksichtigung variabler Kosten agieren zu können. 

Bei Investmentfonds wird letztlich die Fondsleitung bzw. der AIFM die zentrale Einheit bei der Erfüllung der entsprechen-
den zuvor beschriebenen Vorgaben werden. Dies kann sich auf das gesamte Spektrum, von der Beratung hinsichtlich der Strukturierung bis hin zur Unterstützung im Tagesgeschäft, erstrecken. Sowohl bei traditionellen als auch alternativen In-
vestmentstrategien kann somit die Expertise der Fondsleitung und deren Funktion als Outsourcingpartner für den Fonds-
intiator und den Fondsmanager einen signifikanten Mehrwert darstellen.


Ralf Konrad
Vorsitzender der Geschäftsleitung
VP Fund Solutions (Liechtenstein)